Traumabewusste Herzheilung beginnt mit Sicherheit. Nicht mit Öffnung.
Wenn ich heute aufstehe, spüre ich manchmal einfach Dankbarkeit – körperlich, im Herzraum, im Bauch. Nicht jeden Tag. Aber die Momente, in denen es da ist, zeigen mir, dass Heilung spürbar ist, nicht nur gedacht. Dass Sicherheit im Körper beginnt und von dort aus das Herz öffnen kann.
Embodied Heartfulness ist nicht einfach der Name meiner Arbeit. Dieser Begriff ist aus meinen eigenen inneren Prozessen entstanden, aus Jahren des Suchens, des Zusammenbrechens, des Wiederaufstehens. „Embodied“, weil Erkenntnis allein nichts verändert, wenn der Körper nicht mitkommt. „Heartfulness“, weil es nie nur um Achtsamkeit ging, sondern um Beziehung – zu meinem eigenen Herzen.
Heartfulness ist keine Meditation, kein positives Denken und ganz sicher kein Dauer-Offenbleiben. Es ist die Fähigkeit, dein Herz zu spüren, zu halten und reguliert zu erleben – selbst dann, wenn alte Wunden hochkommen. Viele von uns haben früh gelernt, Gefühle zu unterdrücken, Abstand zu schaffen oder sich anzupassen, um geliebt zu werden. In der NARM-Perspektive nennen wir das Entwicklungstrauma: ein Nervensystem, das sich schützen musste. Ein Herz, das sich geschlossen hat, um zu überleben. Nicht, weil wir falsch sind, sondern weil es klug war.
Genau hier beginnt Heartfulness. Nicht beim Öffnen. Sondern bei Sicherheit. Nicht bei Idealen. Sondern bei Regulation. Herzheilung heißt, Sicherheit wichtiger zu nehmen als spirituelle Ansprüche. Denn nicht jedes Öffnen ist heilsam. Nicht jede Vergebung ist verkörpert. Und nicht jedes „Ich bleibe im Herzen“ ist reguliert. Wenn dein Körper noch im Schutzmodus ist, ist Vergebung im Kopf keine Heilung. Wenn deine Brust eng wird, dein Bauch sich zusammenzieht und du trotzdem sagst „Ich vergebe“, übergehst du dich vielleicht erneut – nur diesmal in spiritueller Verpackung.
Embodied Heartfulness bedeutet, dein Herz nur so weit zu öffnen, wie dein Nervensystem es halten kann. Es bedeutet, Wut zu fühlen, ohne sie wegzuatmen, Grenzen zu spüren, statt sie mit Mitgefühl zu überdecken, nicht sofort ins Licht zu springen, sondern im Körper zu bleiben. Heilung geschieht nicht durch Einsicht allein, sondern wenn dein Herz sich sicher genug fühlt, überhaupt zu fühlen.
Dieser Weg beginnt mit Bewusstheit und Entschleunigung. Wie atmest du? Wie sprichst du mit dir? Wie schnell lebst du? Langsamkeit ist kein Luxus, sie ist Voraussetzung. Wenn du langsamer wirst, werden feine Impulse spürbar – das Zittern unter der Oberfläche, die Müdigkeit hinter dem Funktionieren, die Sehnsucht unter der Anpassung. Dein Nervensystem wird zum Kompass. Alte Schutzmuster zeigen sich: Kampf, Rückzug, Überanpassung. Und anstatt sie zu bekämpfen, lernst du, sie zu regulieren und zu würdigen. Raum entsteht. Raum zum Fühlen. Raum zum Atmen. Raum für Emotionen, ohne sie kontrollieren oder wegdrücken zu müssen.
Herzheilung verläuft nicht linear. Sie geschieht in Wellen. Manchmal spürst du Weite, manchmal tauchen alte Verletzungen wieder auf. Manchmal ist da nur Stille. Typische innere Sätze wie „Ich bin zu viel“, „Ich muss stark sein“, „Liebe bedeutet Verlust“ oder „Wenn ich mich zeige, werde ich verlassen“ sind keine Fehler – sie sind Spuren alter Anpassung. Heartfulness heißt, ihnen zuzuhören, ohne sie sofort zu reparieren. Beziehung statt Selbstoptimierung.
Mindfulness fragt: Was passiert gerade? Heartfulness fragt: Kann ich damit in Beziehung sein, ohne mich zu verlassen? Solange das Nervensystem im Schutzmodus ist, helfen keine Techniken, keine Affirmationen, kein positives Denken. Heilung beginnt, wenn wir das Nervensystem regulieren, Schutzmechanismen würdigen und Beziehung zu uns selbst neu lernen.
Aus dieser verkörperten Sicherheit wächst Mut. Mut, deinem Herzen zu folgen, ohne Landkarte. Mut, Unsicherheit auszuhalten, ohne dich wieder anzupassen. Mut, Grenzen zu setzen, auch wenn Harmonie vertrauter wäre. Mehr Gefühl und mehr Grenzen. Mehr Offenheit und mehr Wahrheit. Weniger Drama, aber mehr Tiefe.
Der Weg des Herzens ist kein Happy-End. Er ist ein Mutweg. Er fordert Langsamkeit in einer Welt, die Beschleunigung glorifiziert. Er fordert Ehrlichkeit statt spiritueller Abkürzungen. Herzheilung beginnt in dem Moment, in dem wir aufhören, uns selbst zu übergehen, Sicherheit über Ideale stellen und unserem Körper wieder zuhören.
Dann findet das Herz seinen eigenen Rhythmus – nicht aus Druck, nicht aus Moral, sondern aus Sicherheit.
Verkörpert. Sicher. Echt.